Das Reisegeschäft: Eine Herausforderung mit Potenzial
- 12/10/2024
- 115 Day
Das
Reisegeschäft: Eine Herausforderung mit Potenzial
Das
Reisegeschäft ist oft herausfordernder, als es auf den ersten Blick scheint.
Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut man zukünftige Entwicklungen
vorhersagen kann – und das ist im Tourismus besonders schwierig. Vor allem die
Corona-Pandemie hat die Branche erschüttert und viele dazu veranlasst, die
Zukunft des Reisens und der Reisebüros in Frage zu stellen.
Heute, im Jahr 2024, haben wir die Pandemie und viele
weitere globale Krisen überstanden. Ein Blick auf den aktuellen Stand zeigt:
Reisebüros sind immer noch da und haben sich erfolgreich angepasst, ebenso wie
Online-Reisebüros (OTAs), obwohl ihr Geschäftsmodell manchmal mehr auf
Finanzstrategien als auf Reisen zu beruhen scheint.
Klassische Urlaubsformen wie Pauschalreisen und
Kreuzfahrten sind wieder stark gefragt, letztere oft sogar mit höheren Preisen
und damit besseren Margen für die Anbieter. Besonders die Türkei hat sich als
beliebtes Reiseziel der Deutschen behauptet, trotz wirtschaftlicher
Herausforderungen.
Es zeigt sich, dass die Welt sich zwar schnell dreht,
aber nicht so schnell, wie es manchmal scheint. Die Menschen schätzen nach wie
vor das Vertraute, was sich auch im deutschen Reisemarkt widerspiegelt. Dennoch
gibt es erfreulicherweise auch neue Trends, die sich durchsetzen. Der Schlüssel
zum Erfolg liegt darin, die richtigen Trends zu erkennen und mit echtem
Engagement auf die Bedürfnisse der Reisenden einzugehen.
Als Touristikerin habe ich den deutschsprachigen
Reisemarkt über die Jahre hinweg genau beobachtet, und das Jahr 2024 zeigt
besonders spannende Entwicklungen. Die veränderten Bedürfnisse und Prioritäten
der Reisenden spiegeln sich in neuen Favoriten wider, während altbekannte
Reiseziele weiterhin hoch im Kurs stehen. Im Fokus stehen dieses Jahr
Budgetfreundlichkeit, Planbarkeit und der Wunsch nach authentischen und
unvergesslichen Erlebnissen.
Eine Überraschung in diesem Jahr ist die Türkei, die
laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) erstmals den Spitzenplatz unter den
Nahflugzielen der Deutschen erobert hat und damit Spanien, den langjährigen
Favoriten, auf den zweiten Platz verdrängt. Aber wie hat es die Türkei an die
Spitze geschafft, trotz steigender Preise? Der Erfolg liegt in der perfekten
Kombination aus Preis-Leistungs-Verhältnis und Planbarkeit.
Trotz der neuen Beliebtheit der Türkei bleiben Italien
und Spanien unangefochtene Favoriten. Ob die Diskussionen über Overtourism und
die damit verbundenen Proteste möglicherweise ein Treiber für diese
Veränderungen sind, bleibt unklar; aktuell gibt es hierzu keine verlässlichen
Hinweise.
Ein weiteres Highlight im deutschsprachigen Reisemarkt
ist die wachsende Beliebtheit Skandinaviens. Länder wie Norwegen, Schweden und
Island ziehen zunehmend mehr Reisende an. Besonders Reisen im Wohnmobil,
Wandertouren und die Jagd nach den Nordlichtern erfreuen sich steigender
Beliebtheit. Dabei spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Während
der ökologische Aspekt bei der Nachhaltigkeit sehr relevant ist, darf die
Ökonomie, also der Geldbeutel der Reisenden, nicht zu stark belastet werden.
Während das Fernweh ungebrochen bleibt, zieht es viele
deutsche Reisende auch in heimische Gefilde. Deutschland bleibt unangefochten
die Nr. 1. Strandurlaub an Nord- und Ostsee, Wanderurlaube in den Alpen,
Wellnesswochenenden oder Städtetrips – auch hier ist die Planbarkeit des
Budgets entscheidend.
Für diejenigen, die das Fernweh packt, stehen die
Malediven, Sansibar, Kanada und Japan hoch im Kurs. Diese Länder bieten nicht
nur exotische und abenteuerliche Erlebnisse, sondern auch Sicherheit und
Stabilität. Der aktuelle Trend zeigt eine wachsende Nachfrage nach Luxusreisen,
die unvergessliche Erlebnisse bieten und das Bedürfnis nach außergewöhnlichen
und sicheren Reiseabenteuern befriedigen.
Das Reisejahr 2024 steht also im Zeichen des bewussten
Reisens. Deshalb ist es mehr denn je wichtig, Strömungen und Resonanzmuster zu
erkennen und mit viel Empathie die dazu passenden Angebote zu entwickeln. Denn
echte Gastfreundschaft kommt von Herzen – und das merken die Gäste, unabhängig
von ihrer Klientel.
